Arnold SCHOENBERG

A Survivor From Warsaw op. 46

für Sprecher, Männerchor und Orchester

Schoenberg, verließ 1933, also schon im ersten der zwölf Jahre jenes »Dritten Reiches« – mit den Verbrechen eines tausendjährigen! – Deutschland und Europa, war also selbst ein Survivor (Überlebender). Bis zu seinem Tod im Jahre 1951 lebte und wirkte er in Kalifornien, wo ihm auch von einem Augenzeugen jenes Unsagbare (obwohl oder weil millionenfach geschehen) berichtet wurde, von dem der Text des Erzählers in diesem Melodram für Sprecher, Männerchor und Orchester sagt und Zeugnis ablegt. So grandios das nur knapp siebenminütige Werk, so unbescheiden mein Anspruch, es einmal ganz auf mich alleine gestellt zu interpretieren und aufzunehmen. Nicht genug, dass ich, wie seit Jahren mein Alltag, mit meinen Samples der Vienna Symphonic Library®  gleichsam als Dirigent und vielköpfiges Orchester in einer Person agiere – nein, nun biete ich auch noch (mit Hilfe der »Symphonic Choirs« samt »Wordbuilder« von EWQL®) einen Männerchor auf, der noch dazu nicht nur die Töne singt, sondern dabei in einer Art computergeneriertem Hebräisch das zentrale jüdische Gebet »Shəma Yisroel« phonetisch umsetzt. Eine Besonderheit innerhalb meines Playbackrepertoires ist dann noch, dass ich zu allem Überfluss diesmal auch, analog über Mikrophon aufgenommen, den Part des Erzählers spreche. Auf diese Weise hören Sie hier – obwohl als Playback gedacht, ungekürzt und kostenlos – eine Komplettaufnahme in voller Besetzung. Somit können Sie meine Interpretation ganz hören und haben eine genaue Vorstellung, was Sie erhalten, wenn Sie es als »Karaoke«-Track ohne den Part des Erzählers und/oder des Männerchors erwerben möchten. Allem voran ist dies der Zweck und die Legitimation dieses – ich kann mich nur wiederholen: unbescheidenen Unterfangens. Es ist eine Hommage an den großen österreichischen Komponisten, dessen Tod im Jahre 1951 sich dieses Jahr zum 70sten Male jährt. Ich verneige mich vor seiner Person, seiner Musik, seinem hohen Ethos, vor dem alle, die ihn kennenlernen durften, also nicht nur Alban Berg und Anton von Webern oder Adorno und z.B. Hanns Eisler, zeitlebens den Hut zogen. Um noch einmal unbescheiden zu sein: Auch vieles von dem Wenigen, was ich selbst komponiert habe, wäre ohne das Vorbild Schoenbergs und der Wiener Schule nicht denkbar. Ich meine damit sowohl das unmittelbare Vorbild  des Wiener Triumvirats als auch meine Bewunderung für jene, die nach ihm kamen. Nicht von ungefähr war es sogar seinem genialsten Antipoden Strawinsky, wenngleich erst nach Schoenbergs Tod, unmöglich, sich der Faszination des Zwölftondenkens zu verschließen und nicht vom Saulus zum Paulus zu werden. Zu schweigen von all den großen Namen der Generation der in den 1910-er und 1920-er Jahren Geborenen. Ohne die großen Wiener gäbe es keinen Messiaen, Stockhausen, Boulez, Nono, Dallapiccola oder, ja, auch keinen Henze und schon gar keinen B.A. Zimmermann, dessen Schüler York Höller wiederum zu meiner großen Ehre gar meine Wenigkeit vor 40 Jahren in den Kreis seiner Schüler aufnahm. Der Zufall will es, dass die seit ehedem symbolische Zahl 12 in Schoenbergs Vita so etwas wie Symbolkraft zu besitzen scheint. Entscheidende Weichenstellungen, Wendepunkte und Schlüsselereignissen haben wir oft im Abstand von 12 Jahren. Ich spreche von den Jahren 1909, 1921, 1933 und 1945 Jahre 1909 entstanden jene drei Klavierstücke op.11, in denen der Komponist zum erstenmal den Schritt zur Atonalität wagte. Zwölf Jahre später, im Sommer 1921, hielt sich Schoenberg mit Familie im österreichischen Kurort Mattsee auf -- bis er von einer kommunalen Behörde aufgefordert wurde, entweder einen Ariernachweis zu erbringen oder aber den Ort zu verlassen. Sein Landsmann Hitler, die Inkarnation des Unmenschlichen schlechthin war damals noch völlig unbekannt. Schönberg schrieb schon an den 5 Klavierstücken op. 23, deren letztes (ein Walzer) die erste Komposition mit "zwölf [!] nur aufeinander bezogenen Tönen" ist, jener Methode, mir der Schoenberg "der deutschen Musik für 100 Jahre die Vorherrschaft sichern" wollte. 1933, also wieder 12 Jahre später, war Hitler an der Macht und Schoenberg verließ im selben Jahr Berlin, Deutschland und bald darauf Europa für immer. 1945, wieder 12 Jahre und 60 Millionen Tote später, war Schönberg deshalb nicht unter den Mordopfern. Der Bericht eines Überlebenden wurde nach 1945 zugetragen, und es entstand »A Survivor From Warsaw«. Fortsetzung folgt.