Karussell

Aktuelles:

Sommer 2017: Nächtens entdecke ich zufällig im Internet, daß am 25.Mai 2014 in Ferrara (scheint's durch Studenten des dortigen Conservatorio Frescobaldi) im Rahmen der "INVENZIONI culture musicali contemporane" das "Karussell" aufgeführt wurde. Als Ausführende, die sich vermutlich nicht mehr erinnern dürften, werden genannt:

"Naima Sorrenti, flauto; Letizia Mantovani, corno; Davide Rinaldi, pianoforte". Zeit und Ort: "Ore 16.30 Salone di Palazzo Bonacossi".

Wenn die Reliquie nicht gelöscht wurde, findet man sie hier:

http://scuole.commune.fe.it/1664/attach/aldacosta/docs/PROGETTI/mixxer_programma_25-5-14.p

 

Genau 3 Jahre nach dem Großereignis in Ferrara, bittet mich ein Bruce Abbott (USA), die Hornstimme für Altsaxophon zu transponieren. Ob er das "Karussell" nun wirklich mit seinem Trio Vivo ins Repertoire aufgenommen hat ? Wenn er's sich doch anders überlegt hat – ich könnt's verstehen.

Es soll vorkommen, daß der Komponist sich überlegt hat, warum er so und nicht anders instrumentiert.

 

Seit Pfingsten 2016 habe ich dieses Stück auch als Youtube-Notenvideo ins Netz gestellt: https://youtu.be/tNRHaIfDgZo

 

Warum genau ich meine kleine Komposition für Flöte, Horn und Klavier (1994) "Karussell" genannt habe, weiß ich selbst nicht mehr genau; ich finde den Namen aber ganz passend: Nicht nur, weil ihre trivialen Ragtime- und Leierkasten-Elemente die Assoziation "Kirmes" oder "Tingeltangel" herstellen, sondern auch, weil speziell das Karussell als Symbol für ein zielloses Kreisen, für  heiter sinnfreie Immergleichheit taugt. Das Absurde, das sich mit Kinderkarussells, Schiffschaukeln etc. assoziieren läßt, wird nur von der Tatsache übertroffen, daß sie im Amtsdeutsch "Fahrgeschäfte" heißen. Ich schwöre: Erst nachdem ich den letzten Satz getippt hatte, habe ich nach "Karussell" und "Symbol" gegoogelt und bin dabei auf das Rilkegedicht gestoßen: "[...] und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel". Meine Rede.

Stilistisch ist das "Karussell" ein naher Verwandter meines "Concertino" und meiner "Floskeln"; die Gemeinsamkeit ist  der milde Spott, das parodistische Aufgreifen typischer Wendungen der Trivialmusik,  die durch Dissonanzen, bitonale Cluster und rhythmische Stolperer sanft bis zur Kenntlichkeit verzerrt werden. Musik mit Gänsefüßchen. Die in der Kunstmusik zu Recht verpönte Unsitte der wörtlichen Wiederholung ausgedehnterer Abschnitte ist in "Karussell" Teil des Sujets, hat  gleichsam Methode. Das Wiederholungszeichen am Ende von Takt 55 ist daher unbedingt zu befolgen. Eher, als die Wiederholung wegzulassen, könnte ich mir vorstellen (und autorisiere es darum ausdrücklich), die Takte 1-55 sogar dreimal zu spielen.  

 

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Uli SCHAUERTE Karussell (1994) für Flöte, Horn und Klavier
Wiedergabe mit VST-Samples (Garritan instruments for Finale)
Karussell.mp3
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Uli SCHAUERTE Karussell (1994) Partitur
für Flöte, Horn (in F) und Klavier
Karussell Finale 2008.pdf
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